Die Schlei hat viele Zuflüsse. Sie alle bringen Oberbodenmaterial mit, das zur Ablagerung in der Schlei führt. Diese Fracht in sogenannten Sandfängen zu reduzieren, ist auch eine Aufgabe der Wasser- und Bodenverbände.

Als der Wasser- und Bodenverband Koseler Au 2016 dringend seinen Sandfang im Bereich der Ornumer Mühle ertüchtigen musste, da bekamen der Verband und sein damaliger Verbandsvorsteher Hermann Münck graue Haare. „Dreimal hatten wir eine Neuanlage des Sandfangs bereits geplant, am Ende scheiterte es aber immer wieder“, berichtet Bernd Hoff-Hoffmeyer-Zlotnik, der Nachfolger des im Vorjahr verstorbenen Münck wurde. Schließlich konnte der Verband rund einen Hektar Fläche von der Stiftung Flurbereinigung Hüttner Vorland übernehmen. Dort wurde Ende 2016, Anfang 2017 ein Sandfangmäander als Auschleife angelegt. Bei der Abnahme durch den LKN (Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein) war Hermann Münck noch dabei. „Er hat mit sehr viel Einsatz für den Sandfang gesorgt“, lobt Bernd Hof-Hoffmeyer-Zlotnik seinen Vorgänger.

Geradezu begeistert von der Entwicklung der Fläche ist Karl Walther, Vorsitzender des Vereins Schleiinformation und Erlebniszentrum. In seiner Funktion als BUND-Mitglied in der Wasserrahmenrichtlinien Arbeitsgruppe (WRRL) des Gewässerverbandes Schlei nahm er die Fläche in Augenschein. Dabei hatte er seinen Wasseranalysenkoffer dabei. Er maß den Sauerstoffgehalt und die Temperaturen vor dem Einlauf des Wassers in den neuen Sandfang und hinter dem Auslauf. Zugleich ermittelte er Phoshor- und Nitratgehalte. Besonders überrascht und erfreut zugleich war Walther, als er feststellte, dass sich die Nitratsituation der Koseler Au verbessert hatte. So maß er 15,3 Milligramm im Vorlauf und 9,9 Milligramm, nachdem das Auwasser den Mäandersandfang durchlaufen hatte. „Das sind 30 Prozent weniger Nitratfracht für die Schlei“, sagt er und weiß, dass das nur eine Momentaufnahme ist. Um verlässlichere Daten zu gewinnen, will der SIEZ-Verein künftig monatlich Wasserparameter erheben, um langfristige Aussagen machen zu können.

Erklären kann sich Walther die Auswirkung auf den Stickstoff durch die zusätzlich geschaffene Fließstrecke. Dabei durchströmt die Au auf 280 Metern mehrere Becken, in denen verschiedene Tiefen eingestellt sind. Durch die Minderung der Fließgeschwindigkeit setzten sich Schwebstoffe ab. Zugleich werden Nährstoffe in Algen als Biomasse gebunden. Diese sinken letztlich ab und stellen somit eine Stickstofffalle dar, erklärt Walther. In den flachen Wasserbereichen und in einer Kiesfurt zur entstanden Insel zwischen dem alten Aubett und dem neuen Sandfangbett, finden Fische und Amphibien gute Lebensbedingungen. „Oft habe ich dort Adler und Graureiher gesehen“, ergänzt Bernd Hoff-Hoffmeyer-Zlotnik, der sich sehr über die natürliche Entwicklung des Areals freut. So habe eine technische Anlage zum Auffangen des Sandes eine sehr positive Nebenwirkung, sagt er.

Der Bau des Sandfangs hatte rund 88 000 Euro gekostet, wobei der Verband lediglich rund zehn Prozent Eigenanteil aufbringen musste, erklärte der Verbandsvorsteher.

Auf der Insel, die man in Erinnerung an den Verbandsvorsteher erwägt auf den Namen „Münck-Insel“ zu taufen, haben sich bereits zahlreiche Erlen am Ufer angesiedelt. „Die Erle gehört genau hierher “. Walther hofft, dass der Verband möglichst weitere Erlen im Verlauf der Au pflanzen kann. Hier könnte die WRRL Mittel bereitstellen, so Walther. „Durch die Beschattung des Wassers wird es kühler. Kälteres Wasser kann mehr Sauerstoff aufnehmen“, so die Erklärung.

Die Sauerstoffsättigung des Auwassers lag Ende August bei etwa 70 Prozent, das heißt, bei knapp 8 Milligramm Sauerstoff bei 14 Grad Celsius. „Das geht besser“, davon ist Walther überzeugt. Phosphor konnte er nur knapp und sehr gering messen. Hier würden regelmäßige Messungen verlässlichere Daten liefern.

Für Walther bedeutet die Nitratsenkung durch einen Sandfang eine große Chance, um die Einträge in die Schlei deutlich zu senken. Er werde für weitere Anlagen werben.

517 | 136 Wolfgang Dreesen
Letzte Aktualisierung: 27.09.2018

Quellenangabe und Copyright:
28.09.2018 | Dirk Steinmetz | Eckernförder Zeitung, shz.de
https://zeitung.shz.de/eckernforderzeitung/1899/