Ihr Bestand ist gesunken. Die Bruterfolge der Schleiereule in Schleswig-Holstein sind weniger geworden, auf der Halbinsel Schwansen noch viel seltener. Umso größer ist die Freude bei Herbert Hahne (Schleiereulenbetreuer Schwansen) über den Bruterfolg in einem Nistkasten auf dem Ferienhof Hansen in Bohnertfeld. Als Anerkennung und als Signal an die Öffentlichkeit möchte Hahne die Auszeichnung des Hofes von Peter und Margret Hansen mit der Plakette „Eulenfreundlicher Hof“ verstanden wissen.

Seit über 20 Jahre verfügt der Hof über einen entsprechenden Nistkasten für Schleiereulen, berichtet Margret Hansen. „In den Vorjahren sind uns Schleiereulen aber nie aufgefallen“, ergänzt Peter Hansen. Kein Wunder, erklärt Hahne, die Schleiereule sei ein nachtaktives Tier, das tagsüber das Licht meidet. Im Frühjahr wurde bei einer Inspektion in dem Kasten ein Gelege mit vier Eiern gefunden. Damit wurde nach vielen Jahren ohne bewiesenen Bruterfolg auf Schwansen eine erfolgreiche Brut dokumentiert. „Über die Auszeichnung freuen wir uns sehr“, sagt das Paar Hansen. Sohn Sönke, der den Hof führt, konnte Hahne darüber hinaus von einem Uhu berichten, den er ganz in der Nähe beobachten konnte.

Hahne, der zugleich Leiter des Artenhilfsprogramms Uhu Schleswig-Holstein ist, weiß, wie schwer es die Eulen-Vögel haben. Die Gründe für ihre ungleiche Verteilung und teils sehr geringen Nachweise im Land sind vielfältig.

Die Schleiereule gilt als Kulturfolger und besiedelt überwiegend die offene Agrarlandschaft mit dörflichen Siedlungen. Ihre Brutplätze findet sie vor allem in Scheunen und Kirchtürmen. Hier liegt eine Ursache für den Niedergang der Bestandszahl, sagt Hahn. Die Landwirt lagern kein Korn mehr auf dem Boden, dadurch gibt es keine Mäuse und Ratten mehr. Zugleich werden die Dächer energetisch abgedichtet, womit Eingänge und Bruthöhlen verloren gehen. Und die Landschaft hat sich verändert, berichtet Hahne, der seit erst drei Jahren Schleiereulenbetreuer in Schwansen ist. Um den Vögeln mit knapp einem Meter Flügelspannweite das Überleben zu erleichtern, gilt es, eine strukturreiche Landschaft aus Wiesen, Weiden, Wasserflächen, Hecken, Knicks und Feldrainen zu erhalten. Dort leben Kleinsäugetiere, die die Hauptnahrung der Eulen darstellen. Hier liegt ein weiterer Grund für die stark dezimierten Bestände in Schleswig-Holstein, erklärt Hahne, der in Borgwedel zu Hause ist. Schleiereulen sind sehr standorttreu, das heißt, sie weichen bei Nahrungsmangel nicht aus. Das geschah in den starken Schneewintern 2009 / 2010. Durch die hohe Schneedecke fanden die Vögel keine Nahrung und der Bestand brach ein. So geschehen in Schwansen.

Schleswig-Holstein - weit betreut der Verband inzwischen fast 2700 Nistkästen für Schleiereulen. Allerdings wird die Hälfte der Kästen von anderen Eulen, Falken oder Dohlen/Krähen besetzt.

In diesem Frühsommer hat Hahne, unterstützt von Joana Wullbieter aus Holzdorf, etwa die Hälfte der 30 Nistkästen in Schwansen kontrolliert. In fünf waren Falken, in einer eine Dohle und in einem Kasten in Loose ein weiteres Schleiereulengelege. Das macht Hahne und Wullbieter Hoffnung. Wullbieter begleitet Hahne seit fast einem Jahr und möchte die Betreuung in Schwansen übernehmen.

Die junge Frau hatte als Zwölfjährige im Pferdestall eine Begegnung mit einer Schleiereule, „seitdem habe ich eine besondere Beziehung zu den Greifern“, sagt sie. Bei der Pflege und Betreuung der Kästen wird sie von ihrer Familie unterstützt. So sehr sich Hahne über die Verstärkung in Schwansen freut, so sehr hofft er auf Unterstützung zur Betreuung von Kästen in Angeln.

Hahne und Wullbieter suchen gerne das Gespräch mit Landeigentümern und Hofbesitzern. Im Dialog, sagen sie, könne man viel aufklären und für Eulen etwas tun. So werden heutzutage die Nistkästen so installiert, dass die Vögel nicht in den Dachstuhl fliegen müssen, um ihr Nest zu finden, sondern durch die Wand geht es direkt in den Kasten. Dieser muss sicher gegen Marder und Katzen sein. Tipps und Anleitung für den Kastenbau gibt es bei den Eulenfreunden. Sie unterstützen gegen eine Spende auch beim Bau , macht Hahne Mut, sich um die Tiere zu kümmern, auch wenn man sie tagsüber nur selten sieht. Auf ihrem Speiseplan stehen neben Mäusen und Ratten auch Krähen, Kormorane und Fische.

Infos: www.gallus.de

Dirk Steinmetz

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Letzte Aktualisierung: 05.07.2018

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06.07.2018 | Dirk Steinmetz | Eckernförder Zeitung, shz.de
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