Das feuchtkalte, regnerische Wetter war bestimmt nicht die Ursache für die bestens besuchte St.-Laurentius-Kirche in Kosel. Über 150 Interessierte waren gekommen, um einen Abend mit dem Flensburger Zwillingsbrüderpaar Pay Bandik und Melf Torge Nonn zu erleben. Sie sind „eineiige Zwillinge“, wie Pay Bandik vorab, noch vor dem ersten Ton, ungefragt eine der wichtigsten Fragen des Abends beantwortete. Beide studieren in Hamburg und Lübeck Musik auf Lehramt. Nach diesem Abend war klar: Sie werden Wunsch-Musiklehrer sein.

So mancher im Publikum wäre in der eigenen Schulzeit gerne von solchen Universal-Enthusiasten unterrichtet worden. Jutta Kreuziger war schon im vergangenen Jahr von den beiden so begeistert und hatte sie zu einem Benefiz-Konzert in die Koseler St.-Laurentius-Kirche eingeladen. Dabei sollten Spenden für den Erhalt des Kirchengebäudes gesammelt werden. Es hat sich gelohnt. Der Erfolg war beachtlich.

Die Musikalität der beiden, ihr Vertrautsein mit den Instrumenten und der Musik, dazu ihre innere Verbindung: Jeder achtete genau auf den anderen und schien voraus zu wissen (nicht nur zu ahnen), wie es weiter gehen würde und müsste. Alles wurde auswendig gespielt. Nur die Titel-Reihenfolge hatten sie auf einem Zettel auf dem Boden vor sich liegen. Das Programm, eine Mischung aus Nordic Folk, Klezmer und Worldmusic, ging vom ersten Ton an unter die Haut und in die Füße. Rhythmisch lebendig, übertrug sich die Spielfreude der beiden auf ihre Zuhörer. Da konnte man einfach nicht mehr ruhig sitzen bleiben und nur feinen Klängen lauschen. Sie beherrschen Musik und Instrumente aus dem „ff“, schreiben ihre Stücke selbst und führten mit hintersinnig- humorvollen Kurzgeschichten in die Titel ein – wie dem von der Topfpflanze, die niemals Wasser bekam oder dem traurigen Lied vom kleinen Kaktus in der Wüste, der davon träumt, dass ihn ein Sandsturm befreit.

Torge verzauberte das Publikum mit Blas-Instrumenten (Klarinette, Flöten), Bandik studiert klassischen Kontrabass, spielte aber auch Gitarre und Banjo zum Vergnügen des Publikums. Beide zusammen wirkten einmalig.

Nach launigen Zwischenreden begannen sie, „ein paar Töne zu spielen“, die aber immer zu „Musik“ im besten Sinne des Wortes wurden. Rhythmisch lebendig, alles auswendig spielend und perfekt aufeinander abgestimmt, möchte man nach diesem Abend eigentlich künftig nur noch Duos aus eineiigen Zwillingen hören. Mit geschlossenen Augen erlebte man einen Doppelmenschen mit 20 Fingern, zwei Köpfen und einer Musik! Zu zweit gemacht, aber einzigartig. Faszinierend, mitreißend! Beide zeigten nicht nur Gefühle, sondern lebten sie auch vor! Das alles mit Volkstänzen aus Dänemark, Finnland und Schweden, aus dem Mittelalter, gewürzt mit hintersinnigem Humor. Unvergesslich!

Nach Auskunft von Jutta Kreuziger kamen 920 Euro an Spenden zusammen.

167 | 82 Wolfgang Dreesen
Letzte Aktualisierung: 03.02.2020

Quellenangabe und Copyright:
04.02.2020 | Reinhard Frank | Eckernförder Zeitung, shz.de
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