

Schlange stehen für Heringe
Von Claus Kuhl - Aktualisiert am 28.04.2012
Am Kai in Missunde erwarten die Fischer der Familie Nanz bei der Anlandung bereits zahlreiche Abnehmer
Renate Stams aus Stexwig schaut fast verlegen, als sie ihre Menge dagegen hält: 20 Stück normalerweise, bei Besuch auch einmal 30 - aber dafür in der Heringssaison jede Woche einmal. "Erst essen wir frisch so viel, wie wir verkraften. Dann legen wir den Rest sauer ein", verrät sie.
Dann entdeckt jemand am Horizont das Boot von Fischer Matthias Nanz, das zehn Minuten später, von gierigen Möwen umkreist, anlegt. Inzwischen hat die Kundschaft bereits die Absperrung weggeräumt und reckt die Hälse, um die Fangmenge und den Beifang sichten zu können. Einige sprechen den Fischer bereits mit seinem Hökernamen "Ducki" an und fragen ihn schon über das Wasser hinweg nach Butt. Aber er muss sie enttäuschen. Die Menge ist klein und schon vorbestellt. Aber Heringe gibt es genug. Mehrere hundert Stück hat er auf der Fahrt bereits geschlachtet und ausgenommen. Dann wechselt das "Schleisilber" den Besitzer. 15 Cent für den fangfrischen Fisch, 20 Cent, wenn er ausgenommen ist. Statt Wechselgeld gibt es Naturalrabatt, das heißt ein paar Fische zusätzlich.
"Wir landen seit 50 Jahren in Missunde an", erklärt Nanz. In der Heringssaison, die etwa bis Ende April geht, wären sie täglich zwischen zehn und elf Uhr an der Landestelle. Er, sein Vater Adolf und Kollege Jan Lorenz Fischer würden zwischen 400 und 1000 Kilogramm Hering täglich ans Ufer bringen. Was nicht direkt an der Anlegestelle verkauft würde, ginge an die Kieler Genossenschaft oder an die Küstenfreunde Nord in Heiligenhafen. Der Schleihering sei beliebt, weil er relativ groß sei und jetzt noch mit Laich gefüllt. Denn die Schlei sei das größte Laichgebiet dieser Fischart in der westlichen Ostsee.
Eine halbe Stunde später läuft auch Vater Adolf ein - Hökername "Adelei". Auch mit mehr als 70 Jahren ist der Patriarch der Familie jeden Morgen um drei Uhr auf den Beinen und um vier Uhr im Boot. Seit dem 15. Jahrhundert gehört seine Familie, die ursprünglich hugenottischen Ursprungs ist, zur Innung der Schleifischer. Und er selbst ist seit über 50 Jahren dabei.

Letzte Aktualisierung: 28.04.2012
Quellenangabe und Copyright:
21.03.2012| Claus Kuhl| Eckernförder Zeitung, shz.de
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