Einen Blick in die Vergangenheit eröffnet ein aus Feldsteinen gebauter Brunnenschacht, der auf dem Grundstück von Heinz Bannick zu sehen ist. Bannick und Kosels Bürgermeister Heinz Zimmermann-Stock, die immer einen Blick für die Geschichte ihres Ortes haben, schätzen den Ursprung des Bauwerks auf das elfte Jahrhundert. Im Zuge der Vorbereitung für die heute stattfindende historische Wanderung, Start 10 Uhr auf dem Asmussenplatz, gruben sie die alte Geschichte wieder aus. 

Denn bereits 1993 wurden die Bannicks auf das Bauwerk aufmerksam. Es sei ein sehr nasser Sommer gewesen, als eines Tages plötzlich die Erde in seiner Hofeinfahrt absackte. "Ein Loch von gut einem Meter Tiefe bei einem Durchmesser von gut einem Meter tat sich auf", berichtete Bannick. Beim Blick in die Tiefe entdeckten sie die Einfassung aus Feldsteinen, die nicht zufällig sein konnte. Sie fragten in der Nachbarschaft und gruben alte Fotos und Postkarten aus, was letztlich hilfreich war. Erinnern konnte sich niemand mehr an den Brunnen, zu lange schien er verschüttet gewesen zu sein. Eine alte Postkarte mit "Grüßen aus Kosel" brachte schließlich die Bestätigung. Auf der ist der alte Hof zu sehen und links kann man einen eingefassten Brunnen sehen, über dem ein so genannter Wassergalgen abgebildet ist. Die Postkarte stammt etwa von 1900, was Zimmermann-Stock an der verwendeten Jugendstilschrift erkannte. Wann der Brunnen schließlich zugeschüttet wurde und in Vergessenheit geriet, das können die Hobbyhistoriker nicht genau sagen. Vermutlich aber bis 1905. Bei ihren Recherchen stellten sie fest, dass es sich bei dem Brunnen um den ursprünglichen zentralen Brunnens des Ur-Kosels handelt. Der Bannick-Hof liegt wie einige weitere Nachbargebäude auf einem erhobenen Sandberg, um den herum im Mittelalter Morast gewesen war. Der Aufwand zum Bau eines Brunnen sei damals extrem aufwändig gewesen, so dass er als Gemeinschaftsanlage ausgeführt wurde, erklärte Bannick. Zugleich musste die Wasserförderung so hoch sein, dass immer neues Wasser in den Brunnen nachströmte. Der Brunnen war vermutlich vier bis fünf Meter tief. Mit Zunahme der Viehhaltung überstieg der Wasserverbrauch die Förderung, so dass zahlreiche neue Brunnen entstanden. Sie wurden aber aus Ziegeln gebaut, so Zimmermann-Stock. "Das Wasser war immer sehr gut, dank der Filterung durch den Sandgrund", sagte Bannick, dessen Familie 1949 den Hof von Heinrich Lassen übernahm. 

Jahre nach der Brunnenentdeckung sprach Bernd Jacobsen aus Bohnert den Eigentümer an, ob er ihm helfen könne, ein Gebäude auf einer Postkarte zu suchen, es solle in Bohnert stehen. "Das war mein Haus", sagte Bannick, und es war die die gleich Postkarte, die er auch besaß. Nur statt "Grüße aus Kosel" war auf der Jacobsen Karte "Grüße aus Bohnert" aufgedruckt, "warum weiß keiner". Das Loch schüttete Heinz Bannick damals mit Kies wieder zu. Erst jetzt öffnete er es wieder. 

Der Besuch am historischen Brunnen ist aber nur einer von zahlreichen Punkten, über die die Teilnehmer der historischen Wanderung etwas erfahren werden. Im Zentrum der Wanderung steht dieses Mal Kosel. Start ist heute um 10 Uhr auf dem Asmussenplatz im Schwansenweg 21/23. Die Veranstaltung wird bis etwa 16 Uhr gehen und ein Mittagessen und ein Kaffeetrinken einschließen. 

Für Geschichten und Geschichte werden Heinz Bannick, Bernd Jacobsen und Heinz Zimmermann-Stock sowie Annegret Meeves, bekannt unter anderem aus der EZ-Seniorenredaktion, sorgen. Auf dem Asmussenplatz erwartet die Wanderer Kaffee und Kuchen. Es wird um eine Kostenbeteiligung gebeten (Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre gratis). Kuchenspenden sind erwünscht. Es wird um Anmeldung unter Tel. 04354/535 oder per E-Mail an Heinz@Zimmermann-Stock.de gebeten.

2893 | 819 Wolfgang Dreesen
Letzte Aktualisierung: 09.03.2013

Quellenangabe und Copyright:
08.09.2012 | Dirk Steinmetz | Eckernförder Zeitung, shz.de
http://www.shz.de/lokales/eckernfoerder-zeitung/brunnen-oeffnet-blick-ins-mittelalter-id216711.html